Home Story Hans Orsatti, OK-Mitglied Lenzerheide Classic

Warum bist du beim Memorial Bergrennen Steckborn dabei? Wie viele Male schon?
Ich fahre beim Memorial Steckborn das erste Mal mit. Meine Partnerin, Iris Kramer, hatte sich angemeldet. Sie hat beim Memorial schon mehrfach mitgemacht und hat mich zur Teilnahme motiviert.

Das Memorial Bergrennen Steckborn promotet Synfuel, was ist deine Meinung dazu?
Ich finde diesen Vorstoss sehr positiv. Synfuel sollte gerade in der aktuellen Situation verstärkt promotet werden, damit es bekannter wird. Wenn man die Klimaproblematik ernst nimmt, braucht es CO2-freie Autos. Und Verbrenner, dazu gehören bekanntlich auch unsere Oldtimer, können mit Synfuels ebenfalls nahezu klimaneutral fahren, weil dadurch kein neues Co2 freigesetzt wird.

Kann unser Kulturgut Oldtimer mit alternativen Energien überleben, und warum?
Ich bin der Meinung, dass dies für unsere Oldtimer der richtige Weg ist, um diese weiterhin fahren zu können. Ein eventueller Umbau auf Elektro macht aus meiner Sicht weder wirtschaftlich noch kulturell/geschichtlich absolut keinen Sinn. Vor allem bin ich der Meinung, dass die Elektromobilität bezüglich ihrer Einflüsse auf unsere Umwelt besser hinterfragt und überprüft werden sollte.

Hattest du schon immer Benzin im Blut?
Ich bin als Pflegesohn in der Garage Meister auf der Lenzerheide aufgewachsen. Mein Pflegevater ist in den 60er-Jahren Rennen gefahren. Im elterlichen Betrieb standen immer spezielle und auch schnelle Autos. So kam ich sehr früh mit diesen Fahrzeugen und der Rennfahrerei in Kontakt.

Welche Eigenschaften zeichnen dich als Enthusiast aus und haben zu deinem Hobby beigetragen?
Bei mir ist es wohl die Mischung aus Beruf und Hobby. In der Zwischenzeit bin ich Autolackierer und Geschäftsführer der elterlichen Garage. Wir dürfen mehrere klassische Fahrzeuge unserer Kunden betreuen und führen auch Restaurationen durch. So bin ich laufend mit klassischen Fahrzeugen «in Kontakt».

An einem Rennwochenende ist es hektisch, Training, Rennen. Was ist deine Strategie, damit du ruhig und konzentriert an den Start gehen kannst?
Das Fahrzeug muss gut vorbereitet sein. So kann ich ein Eventwochenende ruhig angehen. Während des Events geniesse ich den Kontakt mit anderen Teilnehmern. Die Diskussionen um unsere Fahrzeuge, da ein Spässchen oder ein Spruch. Da es an den meisten Events, an denen ich teilnehme, um den Spass an der Sache geht, lasse ich keinen eigentlichen «Rennstress» aufkommen.

Dein erstes Oldtimerauto / Rennauto?
Mein erster Oldtimer war ein Cadillac Fleetwood Sixty Special, Jahrgang 1958. Damals tanzte ich noch Boogie-Woogie und es gehörte zum guten Ton, einen passenden Oldtimer zu fahren. An Oldtimerevents fahre ich erst mit, seit ich 2018 die Restaurationsarbeiten an meiner Lancia Fulvia Sport Zagato abgeschlossen hatte. Mein Pflegevater fuhr sein letztes Rennen 1969 am Kerenzerberg. Aufgrund eines Problems mit dem Differenzial an seinem Mustang konnte er das Rennen nicht fertig fahren. Unser Ziel war es, fast 50 Jahre nach seinem letzten Einsatz die ihm noch fehlenden Läufe am Kerenzerberg zu absolvieren. Was uns auch gelang!

Dein erster Sieg?
2020 an der Arosa Classic Car mit dem ersten Rang in der Classic Car Trophy

Die drei wichtigsten Dinge, welche dir spontan zu deinem Hobby einfallen?
Herzblut, Geduld und gute Nerven und leider auch die Bereitschaft, Geld auszugeben!

Dein Lieblingsauto / deine Lieblingsmarke und wieso?
Wenn man von einer Hassliebe sprechen kann, dann ist es wohl meine Lancia Fulvia Sport. Lieblingsmarke Lotus, da ich als kleiner Bub immer wieder in den Lotus Rennwagen meines Pflegevaters gesessen bin. Der Markenname Lotus war in meiner Kindheit omnipräsent!

Hast du dein Fahrzeug selber restauriert oder in gutem Zustand gekauft, Gründe?
Mein Fahrzeug wurde im eigenen Betrieb restauriert. Die Arbeiten, die ich konnte, hatte ich auch möglichst selber ausgeführt.

Hast du beim Kauf deines Oldtimers von Leidenschaft und blinder Liebe leiten lassen oder bist du mit Fachwissen und Geduld bei der Suche vorgegangen, wie ging das vor sich?
Ich habe mein Fahrzeug in Brescia gekauft. An diesem Tag hatte ich wohl den klaren Kopf zu Hause vergessen und habe mich buchstäblich blind ins Unglück gestürzt. Die Zeit nach dem Kauf hat mich viel Geld und noch mehr Nerven gekostet!

Bewegst du das Auto auch regelmässig oder steht eher ein Blechgreis mit allerhand Standschäden in der Garage, wieso?
Das, oder besser gesagt, die Fahrzeuge werden regelmässig an Oldtimerevents und auch manchmal auf einer Ausfahrt bewegt. Schliesslich heisst es «Fahrzeug» und nicht «Stehzeug».

Deine persönliche Nachricht an uns?
Ich bin im OK der Lenzerheide Motor Classics tätig. Für mich sind die Momente während des Rennunterbruchs infolge eines Unfalls immer die Schlimmsten. Die Ungewissheit, ob es sich dabei nur um einen Materialschaden handelt oder ob Fahrer oder sogar Zuschauer zu Schaden gekommen sind. Bangen bis dann die erlösende Meldung kommt, dass nichts Schlimmes vorgefallen ist. Und die vielen glücklichen Gesichter während und nach dem Event sind dann der grösste Lohn für all die Bemühungen und Vorbereitungen. Ich wünsche euch ein unfallfreies Rennen und möglichst viele glückliche Gesichter als Belohnung.

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